Behörden & Politik

Gesundheitskosten

Massnahmen und Instrumente zur Beeinflussung der Kostenentwicklung im Gesundheitswesen ‒ Studie der ZHAW

Angesichts der Kostensteigerung im Gesundheitswesen stehen Massnahmen zu deren Dämpfung im Fokus der gesundheitspolitischen Debatte – sowohl national als auch im Kanton Zürich. So ist es eine stetige Aufgabe der Gesundheitsdirektion, nach Möglichkeiten zu suchen, mit denen die Kostenentwicklung wirksam eingedämmt werden kann ‒ ohne dabei die Qualität und die Zugänglichkeit der Gesundheitsversorgung zu beschränken. Dazu hat die Gesundheitsdirektion in den letzten Jahren bereits zahlreiche Massnahmen umgesetzt:

Grafik

Zur Entwicklung gezielter Massnahmen zieht die Gesundheitsdirektion regelmässig die unabhängige Aussensicht externer Expertinnen und Experten bei – wie z.B. im Jahr 2015 BAKBASEL für ein interkantonales Benchmarking der öffentlichen Kosten im Bereich Spitäler (vgl. Dokumente unten).

Studie der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) 

Im Frühling 2017 beauftragte die Gesundheitsdirektion das Winterthurer Institut für Gesundheitsökonomie der ZHAW, die wichtigsten in der politischen Diskussion erwähnten Massnahmen und Instrumente zur Beeinflussung der Gesundheitskosten aus der Perspektive des Kantons Zürich systematisch darzustellen und zu bewerten. Die Studie unter dem Titel «Sparpotentiale im Gesundheitswesen, Massnahmen und Instrumente zur Beeinflussung der Kostenentwicklung im Schweizer Gesundheitswesen aus der Perspektive des Kantons Zürich», liegt inzwischen vor (vgl. Dokumente unten).

Mithilfe einer breit gefächerten Literatursuche identifizierten die Studienautoren über 70 relevante Massnahmen, die zu einer Dämpfung des Kostenanstiegs beitragen könnten und bereits in der politischen Diskussion in der Schweiz erwähnt worden sind. Nach Gruppierung der Massnahmen in 28 thematische Cluster bewertete die ZHAW eine Massnahme stellvertretend pro Cluster. Die Gesamtbewertung des Potentials zur Kostendämpfung erfolgte nach einem einheitlichen Raster, und setzte sich aus drei Bewertungskriterien zusammen: Potential zur Kostendämpfung im Gesamtsystem der Obligatorischen Krankenpflegeversicherung (OKP); Sparpotential für den Kanton Zürich; Realisierbarkeit für den Kanton Zürich.

Fünf Handlungsempfehlungen an den Kanton 

Abgeleitet von den Bewertungen empfehlen die Studienautoren fünf Massnahmen zur weiteren Prüfung bzw. Umsetzung durch den Kanton Zürich:

  • Substitutive Verlagerung von stationärer zu ambulanter Behandlung mittels verbindlicher Listen
  • Lockerung oder Aufhebung von kostensteigernden Vorschriften
  • Steuerung der stationären Kapazitäten durch Reduktion der Spitalliste im Rahmen der Spitalplanung
  • Kantonales Globalbudget für alle Listenspitäler
  • Reduktion der Prämienverbilligung auf 70% des Bundesbeitrags.

Was macht die Gesundheitsdirektion mit den Empfehlungen

  • Dass die Studienautoren in ihrer umfassenden Analyse «Ambulant vor stationär» als eine der zentralen Massnahmen identifizieren, um innert nützlicher Frist wirksam und nachhaltig Gesundheitskosten zu dämpfen, stützt auch aus wissenschaftlicher Perspektive den Weg, den der Kanton Zürich hier bereits frühzeitig eingeschlagen hat. Gestützt auf den Beschluss des Kantonsrats erfolgt die Umsetzung per Januar 2018 (mehr zum Thema im Gesundheitsversorgungsbericht 2017).
  • Zur Überprüfung kostentreibender Anforderungen an Spitäler ist im Rahmen der «Leistungsüberprüfung 2016» des Regierungsrats ein direktionsübergreifendes Projekt lanciert worden.
  • Gemäss Studie hat die Angebotssteuerung im Rahmen der Spitalplanung ein wesentliches Potential zur Beeinflussung der stationären Kosten. Dies bestätigt das Vorgehen in der bestehenden Zürcher Spitalplanung, in welcher zahlreiche Massnahmen zur Förderung des Konzentrationsprozesses ergriffen worden sind (vgl. Grafik oben). Die Weiterentwicklung wird die Gesundheitsdirektion im Rahmen der neuen umfassenden Spitalplanungsrunde, die auf das Jahr 2022 ansteht, detailliert prüfen.
  • Eine direkte Einschränkung des Mengenwachstums mittels Globalbudgets für Listenspitäler erhöht nach Meinung der Studienautoren die Effizienz der Spitäler und bremst so die Kostenentwicklung. Die Gesundheitsdirektion wird auch hier eine vertiefte Prüfung für den Kanton vornehmen; dies erfolgt
    sinnvollerweise im Kontext der auf nationaler Ebene dazu laufenden Diskussion.
  • Eine Reduktion des Kantonsbeitrags an die Prämienverbilligung ist primär ein Mittel zur Entlastung des kantonalen Finanzhaushalts.

Fazit

Wie die Studie konstatiert, steht der Kanton Zürich bezüglich Kosten, Transparenz und Regulierung der Finanzierung im stationären Bereich schweiweit vergleichsweise gut da und hat in den letzten Jahren bereits zahlreiche Massnahmen ergriffen, um die Gesundheitskosten wirkungsvoll zu dämpfen. Weitergehende Massnahmen, die im Bereich der Gestaltungsmöglichkeiten des Kantons Zürich liegen, werden insbesondere im Rahmen der Spitalplanung 2022 vertieft geprüft.

Gleichzeitig setzt die Mehrheit der von der ZHAW geprüften Massnahmen mit hohem Potential zur Kostendämpfung – insbesondere im ambulanten Bereich – Gesetzesänderungen auf Bundesebene voraus. Deshalb besteht die Notwendigkeit eines nationalen Dialogs über mögliche Massnahmen. Dieser erfolgt gegenwärtig und wird auch durch die neusten Expertenberichte des Eidgenössischen Departements des Innern unterstützt. Im Rahmen ihrer Möglichkeiten wird die Gesundheitsdirektion den Bund bei der Ausarbeitung und Umsetzung von Massnahmen zur Beeinflussung der Kostenentwicklung unterstützen.