Behörden & Politik

Demenz – ein gesellschaftliches Thema

Symbolbild Zusammenarbeit: übereinandergelegte Hände

Aufgrund der demografischen Entwicklung wird die Anzahl Menschen mit Demenz in der Zürcher Gesellschaft weiter wachsen. Laut Zahlen der Alzheimervereinigung Schweiz lebten 2017 fast 25 000 Menschen mit Demenz im Kanton Zürich. Bis 2040 wird sich die Zahl der Betroffenen voraussichtlich auf knapp 50 000 Personen verdoppeln. Pro betroffene Person sind durchschnittlich drei Angehörige direkt mitbetroffen, da sie in die Betreuung einbezogen sind. Hochgerechnet heisst das, dass Demenz heute bei insgesamt 100 000 Zürcherinnen und Zürchern den Alltag mitbestimmt. Rund 40% der von Demenz betroffenen Menschen werden im Kanton Zürich institutionell in Alters- und Pflegeheimen, Pflegeheimen oder Pflegewohnungen betreut. Das heisst im Umkehrschluss, dass rund 60% in ihrer angestammten Umgebung leben.

Demenz ist ein gesellschaftliches Thema. Wir setzen uns zusammen mit Privaten und der Wirtschaft für gute Lösungen ein. Im Verbund sind wir stark.

Projekt «Mäander»

Die «Nationale Demenzstrategie 2014 – 2019» wird im Kanton Zürich aktiv umgesetzt. Sie ist nun in der Schlussphase. Die grössten Herausforderungen im Bereich Demenz stehen aber erst bevor. Um der Bedeutung von Demenz als gesamtgesellschaftlicher Herausforderung gerecht zu werden, ist die Zusammenarbeit zwischen Behörden, Leistungserbringern und privaten Organisationen entscheidend.

Gemeinsam agieren für ein gutes Zusammenleben von Menschen mit und ohne Demenz
Der Regierungsrat des Kantons Zürichs hat deshalb im Jahr 2018 das Projekt «Mäander» initialisiert, um eine sektorenübergreifende Zusammenarbeit zu Gunsten eines gut funktionierenden Zusammenleben von Menschen mit und Menschen ohne Demenz zu fördern. Im Projekt „Mäander“ bereiten der Kanton Zürich, die Alzheimervereinigung Kanton Zürich, die Pro Senectute Kanton Zürich und der Gemeindepräsidentenverband Kanton Zürich gemeinsam die Gründung einer unabhängigen Plattformorganisation vor, die unterschiedlicher Akteure und Aktivitäten koordiniert, initiiert und kommuniziert. Deren gemeinsames Ziel ist es, für eine gute Lebensqualität von Menschen mit Demenz und zur Befähigung der Gesellschaft im Umgang mit ihnen zu sorgen. Die Aktivitäten sollen dazu beitragen, dass Menschen mit Demenz möglichst lang und möglichst gut in der Gesellschaft integriert sind.

Der Name «Mäander»
Für das Projekt wurde als einprägsamer Arbeitstitel der Name «Mäander» nach dem Fluss in Kleinasien gewählt. Er soll das Bewegen und Fliessen und das «Wege finden» des Projektes versinnbildlichen – mal schneller, mal langsamer. Hindernisse werden umgangen und gleichzeitig in die Mäanderlandschaft integriert. Das sich bewegende Wasser ist sowohl Akteur als auch Objekt von Aktion. Es findet immer seinen Weg durch die Landschaft. Wie eine natürliche Flusslandschaft ist eine Gesellschaft, die auch den Menschen mit Demenz Sorge trägt, vielgestaltig und vielgliedrig. Sie bietet kleinen und grossen Ideen Platz zur Entfaltung. Diese Vielfalt soll auch im Projekt ermöglicht werden.

Pionierprojekt mit Leuchtturmpotenzial
In einer vorbereitenden Phase ist die Idee einer gemeinsam getragenen unabhängigen Plattformorganisation für die künftigen Herausforderungen im Bereich Demenz von einem Beratungsbüro analysiert worden. Die Analyse identifiziert „Mäander“ als innovatives und erfolgsversprechendes Pionierprojekt mit Leuchtturmpotenzial.

Die unabhängige Plattformorganisation wird vorbereitet
Der Regierungsrat des Kantons Zürichs hat aufgrund der Vorarbeiten im Projekt „Mäander“ am 17. April 2019 entschieden, die Gründung der unabhängigen Plattformorganisation auf anfangs 2020 zu unterstützen. Ebenso haben die strategischen Gremien der Alzheimervereinigung Kanton Zürich, der Pro Senectute Kanton Zürich und des Gemeindepräsidentenverbandes Kanton Zürich grünes Licht für die gemeinsame Gründung der geplanten Organisation gegeben.

«Nationale Demenzstrategie 2014–2019» – Umsetzung im Kanton Zürich

Der Bund und die Schweizerische Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektorinnen und -direktoren haben im November 2013 die «Nationale Demenzstrategie 2014–2019» verabschiedet. In deren Umsetzung sollen die Akteure im schweizerischen Gesundheitswesen miteinbezogen werden – unter Wahrung der föderalistischen Aufgabenteilung zwischen Bund, Kantonen und Gemeinden.

Im Kanton Zürich ist die Auseinandersetzung mit der nationalen Strategie und deren Umsetzung im Rahmen eines intensiven Prozesses gestartet worden. Mit dem vorliegenden Bericht gibt die Gesundheitsdirektion umfassend Aufschluss über den aktuellen Stand. Der Bericht zeigt auf, zu welchen Erkenntnissen die Ist-Analyse, ausgerichtet an den von der nationalen Demenzstrategie vorgegebenen Handlungsfeldern, gelangt ist, welche konkreten Massnahmen sich daraus ergeben und wie das weitere Vorgehen aussieht. 

Zürcher Demenzforen

Der Kanton Zürich setzt sich intensiv mit der nationalen Demenzstrategie und deren Umsetzung auseinander. Dieser Prozess wird kontinuierlich weitergeführt. Seit 2014 diskutieren jährlich alle massgeblichen Akteure am von der Gesundheitsdirektion organisierten Zürcher Demenzforum gemeinsam darüber. Dabei sind Vertreterinnen und Vertreter von Gemeinden und Kanton, Leistungserbringern, Berufsverbänden, Betroffenenorganisationen, Forschungs- und Bildungsinstitutionen und Aufsichtsbehörden.

Projekte

Nachfolgend sind Projekte aufgeführt, die im Rahmen der Umsetzung der nationalen Demenzstrategie im Kanton Zürich mit kantonaler Unterstützung durchgeführt worden sind:

AIDA-Care

Inhalt
Erarbeitung einer Methodik für aufsuchende Beratung speziell für Menschen mit Demenz (MmD), die verhaltensauffällig und sozialisoliert sind und keine Hilfestellung in Anspruch nehmen.

Leitung & Laufzeit
Universität Zürich, Zentrum für Gerontologie, 2015–2017.

Ergebnis
AIDA-Care deckt einen Bedarf in der Praxis. AIDA-Care ist in zwei der drei Pilotbetrieben seit 2018 in den Regelbetrieb überführt worden. Die Methodik AIDA-Care steht weiteren Gemeinden und Interessierten gratis zur Verfügung: www.aida-care.ch

CareNet+

Inhalt
Verbesserung von Wirksamkeit, Effizienz und Qualität in der Altersversorgung durch gezielte Koordination aller Leistungserbringer und Kostenträger (komplexe Fälle inkl. Demenzthematik).

Leitung & Laufzeit
Pro Senectute Kanton Zürich, 2016–2020.

Ergebnis
Mit CareNet+ ist es auf lokaler Ebene gelungen, verschiedene Akteure zusammenzubringen und fallbezogene Zusammenarbeit einzurichten. Alle involvierten Akteure stellen eine Verbesserung der Leistungskoordination fest. Die Zufriedenheit der Patienten ist hoch. Es gibt Anhaltspunkte, dass CareNet+ zur Kostendämpfung beiträgt. Bisher wurden 44 Fälle im Bezirk Affoltern koordiniert. Bei etwa 30 Prozent ist Demenz ein Thema. Der Evaluationsbericht von Infras und Careum Forschung liegt seit Oktober 2018 vor. Pro Senectute Kanton Zürich verlängert die Pilotphase um zwei Jahre bis Ende 2020.

Beratungstool BAS ‒ Administration-, Beratungs- und Entscheidungshilfe in 2 Modulen

Inhalt
Entwicklung eines praktisch einsetzbaren Instruments, das die kommunalen Altersstellen bei der Administration, der Beratung und in der Entscheidfindung von ethisch relevanten Themen unterstützt, das sogenannte BAS-Tool in 2 Modulen: Das Administrationsprogramm und die Beratungs- und Entscheidungshilfe können unabhängig voneinander angewendet werden. Die Beratungs- und Entscheidungshilfe kann auch zusammen mit anderen Administrationsprogrammen verwendet werden.

Leitung & Laufzeit
Stiftung Dialog Ethik, 2014‒2016.

Ergebnis
Das elektronische Beratungstool ist in einer ersten Pilotphase getestet worden. Das Instrument steht den Gemeinden gratis zur Verfügung.
Zur Auswertung der Praxistauglichkeit des BAS-Tools werden derzeit weitere Pilotstellen gesucht. Ausserdem wird das Instrument in Rahmen der Sorgekultur in Stadt und Kreis Düren in Deutschland implementiert. 

Optimierung der Versorgung von MmD und schwersten Verhaltungsstörungen

Inhalt
Erarbeitung einer gemeinsamen konzeptionellen Grundlage, um Massnahmen entwickeln zu können, die die Versorgung von Menschen mit Demenz und schwersten Verhaltensstörungen optimieren.

Leitung & Laufzeit
Der Zürcher Verein Chefärzte Psychiatrie leitete die interinstitutionell und interprofessionell zusammengesetzte Arbeitsgruppe, 2014‒2017.

Ergebnis
Das resultierende Arbeitspapier zeigt die innerbetrieblichen und interinstitutionellen Anforderungen sowie die Anforderungen auf Ebene der Gesundheitsversorgung. 

CASE

Inhalt
Entwicklung der APN-Rolle für die Unterstützung von zu Hause lebenden Menschen mit kognitiven und chronischen Erkrankungen.
Etablierung interprofessioneller Kooperation zwischen der APN (Spitex) und Hausärztinnen und -ärzten inkl. neuer Verantwortungs- und Aufgabenverteilung.

Leitung & Laufzeit
Spitex Zürich Sihl, 2018‒2020.