Grundlagen zur Prävention psychischer Erkrankungen im Kanton

26.06.2012 - Medienmitteilung

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Das Institut für Sozial- und Präventivmedizin der Universität Zürich hat im Auftrag der Gesundheitsdirektion einen Grundlagenbericht zur Prävention psychischer Erkrankungen im Kanton Zürich veröffentlicht. Er zeigt auf, wie die psychische Gesundheit von Zürcherinnen und Zürchern verbessert werden kann.

Psychische Erkrankungen sind häufig. Depression ist in reichen Ländern wie der Schweiz gar jene Krankheit, die am meisten Leiden mit sich bringt – mehr als jede körperliche Störung. Dies zeigen Untersuchungen der Weltgesundheitsorganisation. Im Kanton Zürich ist jede fünfte Person während ihres Lebens mindestens einmal von einer schweren Depression betroffen, und knapp ein Viertel der Kinder und Jugendlichen leidet unter psychischen Beschwerden. Bei Jugendlichen ist Suizid zusammen mit Verkehrsunfällen die häufigste Todesursache. «Vor diesem Hintergrund wird deutlich, dass Anstrengungen zur Prävention psychischer Erkrankungen und im Speziellen zur Suizidprävention notwendig sind», schreibt Gesundheitsdirektor Dr. Thomas Heiniger im Vorwort des heute publizierten Berichts «Prävention psychischer Erkrankungen – Grundlagen für den Kanton Zürich.»

Der Bericht füllt eine Lücke: Trotz des grossen menschlichen Leids und der hohen Kosten, die durch psychische Krankheiten verursacht werden, fehlten bisher die Grundlagen zur Prävention und Gesundheitsförderung in diesem Bereich. Der Bericht entstand auf Initiative des Zürcher Vereins Psychiatrischer Chefärzte sowie des Instituts für Sozial- und Präventivmedizin der Universität Zürich und mit Unterstützung der Gesundheitsdirektion. Er wurde von einer Arbeitsgruppe mit je drei Fachleuten aus Psychiatrie und Psychologie und einem Pfarrer erarbeitet und einer breiten Vernehmlassung bei Behörden und Fachkreisen unterzogen. Das allgemeine «Konzept für Prävention und Gesundheitsförderung im Kanton Zürich», das vom Regierungsrat 2004 verabschiedet wurde, bildet den Rahmen und die Voraussetzung für den neuen Bericht.

Entstigmatisierung kommt grosses Gewicht zu

Gesundheit wird im Bericht als immer wieder neu herzustellende Balance zwischen Belastungen und Ressourcen verstanden. Risikofaktoren sollten ausgeschaltet oder abgeschwächt, Schutzfaktoren gestärkt werden. Im Bereich psychischer Erkrankungen ist beispielsweise die Stigmatisierung eine namhafte Belastung: Negative Vorurteile gegenüber Menschen mit einer psychischen Störung sind viel weiter verbreitet als bei körperlichen Krankheiten – gerade auch unter Ärztinnen und Ärzten sowie Pflegefachleuten. Solche Vorurteile können dazu führen, dass Betroffene zu spät oder gar nicht Hilfe suchen. Eine Störung kann dadurch verschärft oder chronisch werden. Der Bericht misst deshalb der Entstigmatisierung grosses Gewicht bei. Psychische Krankheiten sollen zu «normaleren», sozial akzeptierten Krankheiten werden.

Die Autoren beschreiben sinnvolle Handlungsmöglichkeiten zur Verbesserung der psychischen Gesundheit. Im Zentrum steht die Primärprävention, die der Entstehung von Krankheiten zuvorkommen will. In drei Dimensionen wird dargestellt, wie (Interventionen), bei wem (Zielgruppen) und wo (Lebensbereiche) gesundheitsfördernde und präventive Aktivitäten erfolgen können. Anhand zahlreicher Projektbeispiele werden mögliche Massnahmen veranschaulicht. Der Bericht verzichtet jedoch darauf, konkrete Projekte für den Kanton zu empfehlen. Stattdessen werden Grundsätze und Regeln formuliert, denen Projekte genügen müssen, damit eine finanzielle Unterstützung durch den Kanton in Frage kommt.

Gesundheitskosten für psychische Krankheiten: 700 Millionen Franken

Für die allgemeine Prävention und Gesundheitsförderung werden in der Schweiz heute auf nationaler Ebene 2,3 Prozent der gesamten Gesundheitskosten ausgegeben – weniger als in vergleichbaren Ländern. Im Bericht wird vorgeschlagen, dass die Ausgaben für die Prävention psychischer Störungen im Kanton Zürich auf das gleiche Niveau angehoben werden. Die Gesundheitskosten für psychische Krankheiten im Kanton Zürich betragen heute rund 700 Millionen Franken. 2,3 Prozent davon entsprechen 16 Millionen Franken. Heute werden im Kanton für die Prävention psychischer Störungen rund 9 Millionen Franken eingesetzt.


Der Bericht «Prävention psychischer Erkrankungen – Grundlagen für den Kanton Zürich», herausgegeben vom Institut für Sozial- und Präventivmedizin der Universität Zürich im Auftrag der Gesundheitsdirektion Kanton Zürich, im Umfang von 90 Seiten, kann für 26 Franken beim Institut (Mail praev.gf@ifspm.uzh.ch, Telefon 044 634 46 29) bezogen werden.

Mehr Informationen: www.gesundheitsfoerderung-zh.ch/Praevention-Psychisc.425.0.html

(Medienmitteilung der Gesundheitsdirektion)

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